Stell dir vor, du bist am Ende…

Stell dir vor du bist am Ende. Krank, erschöpft, pleite, ohne Arbeit, will heißen: ohne bezahlte Arbeit. Bei deinem Haus haben sie das Schloss ausgetauscht. Ein Fremder wohnt nun in deinen Sachen. Dir schicken sie die Rechnungen für Öl, Heizung, Strom… für eine völlig unbekannte Person. Kein Anwalt nimmt sich mehr der Sache an.
Okay. Du bist also am Ende, schleppst dich vom Anwalt und vom Arzt nach Hause. Vorher gehst du noch in den Dom. Wie so oft in den letzten zwei Jahren. Berufungskapelle. Da sitzt du nun, und heulst erbärmlich. Es hat alles keinen Sinn mehr. Nur heim und ins Bett. Wie in den letzten Tagen schon. Der Mann, der da am Kreuz hängt, dreht seinen Kopf weg. Ist eingehüllt in seinen eigenen Schmerz und schaut zum Dauernd Ausgesetzen Allerheiligsten. Ein Zirkelgeschehen… Die Kerze brennt wie immer. Und du kriegst keinen Draht. Keine Antwort.

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Beim Gehen: Ein schneller Blick zur leeren Kathedra. Sedisvakanz. Gehst schnupfend raus auf den Domplatz. Leer und dumpf. Gehst Richtung zuhause. Eine neue Baustelle hat deinen Heimweg irgendwie unheilvoll verändert. Du stolperst ins Metropolkino. Eigentlich kein Geld für Lustbarkeiten. Aber nach einer Hilfe von deinem Sohn kannst du die Bankomatkarte wieder verwenden und so fragst du: „Was ist der nächste Film?“ „Das brandneue Testament!“ Hmmm… doch eine Antwort. Das brandneue Testament. Vielleicht war er doch nicht ganz in seinem Schmerz gefangen, der am Kreuz in der Berufungskapelle…
Irgendwie willenlos steck ich die Bankkarte in den Apparat. Kaufe mit der letzten 2 Euro-Münze eine kleine Packung Popcorn und steige langsam kauend die Stiegen zum Saal 8 hinauf. Der Saal ist schon offen. Ich taste mich auf meinen Sitz in der letzten Reihe – wenn schon untergehen, dann auf einem guten Platz!!! – und bald beginnt der Film.
Was für ein Film… Die heilige Familie lebt in Brüssel. Gott Vater ist ein Tyrann, Maria erträgt seinen Despotismus schweigend-leidend. Jesus ist in väterliche Ungnade gefallen und Ea, die 10-jährige göttliche Tochter wird mit dem Ledergürtel verprügelt, wenn sie sich in das väterliche Büro mit dem Weltcomputer verirrt. Zum Glück hat die Kleine ihren Draht zum Bruder nie verloren. Er zeigt ihr den Trick, wie sie zum ersten Mal aus der tristen Hochhauswohnung ausbrechen kann und gibt ihr den Tipp mit den sechs Apolsteln, die sie sich suchen soll, denn die 12 des Bruders waren eindeutig zu wenig. Das Mädel wagt es – uns gibt vorher noch den Menschen ihre Sterbedaten bekannt, bevor sie den Weltcomputer zum Absturz bringt. Sie flieht, aber ihr Vater verfolgt sie. Es ist aber nun alles zu spät für ihn:

„Durch die Bekanntgabe jedes einzelnen Sterbedatums verändern sich die Menschen. Viele erfüllen sich ihre sehnlichsten Wünsche, kriegerische Auseinandersetzungen werden weltweit eingestellt. Die Menschen haben keine Angst mehr. So hat Gott mit einem Mal keine Macht mehr über sie….“ (Wikipedia)

Im Kinosaal wird gelacht, geweint, gelitten und erlöst… Der schönste Moment für mich im Film war, als Ea nach einer überraschenden Wende zum Himmel schaut und plötzlich erkennt: „Es ist Mama!“ Mit einem Mal kommt Hoffnung auf. Vielleicht hat es jetzt ein Ende mit dem Wahn. Schluss mit dem „Aug um Aug, Zahn um Zahn“, Schluss mit dem Herrn der Heere, und dem 2037. Gebot oder dem 2056. Schluss mit den völlig unmotivierten Ungerechtigkeiten, Katastrophen immer neuen Seuchen und Krankheiten. Was für eine Erlösung wäre das denn!!!!!
Zwar weiterhin heulend, ging ich heim, im Bewusstsein, an diesem schwarzen Tag DOCH eine Antwort bekommen zu haben, mit der ich wenigstens mal wieder was anfangen konnte. Das Gute ist immer und überall… Man sollte ihm einfach nur eine Chance geben….

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„Dankbar bin ich…“

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Ein sehr herzliches Willkommen bereitete die Diözese Linz ihrem neuen Bischof am Tag seiner Amtseinführung am 17. Jänner 2016.

Ein individueller Bericht…
Morgens früh um 7:05 den Zug nach Linz zu erwischen, das bereitete mir schon so ziemliche Motivations-Schwierigkeiten, weil es nämlich frisch geschneit hatte. Nichts desto trotz machte ich mich nach einem hastigen Frühstück eilig auf den Weg und so um halb 11 stand ich dann vor dem „Bichofshof“ in der Herrengasse 19 in Linz. Schluck!

Das ist entschieden ein Aufstieg, den „unser“ Bischof da mache. Ein ziemlich feudaler Herrschaftssitz! Gerade hält ein Polizeiauto und ich frage, wie da der Ablauf sein würde. Ich werde auf zwei Leute der Diözese in der Einfahrtshalle verwiesen. Kurz später betrete ich erstmals den Linzer Mariendom durch den Haupteingang unter dem Turm. Nun ja, die größte Kirche Österreichs hieß es – ich war vorgewarnt! Aber sooo riesig … Klein Monika macht eine flotte Runde durch die zwei Nebenschiffe und den Kapellenkranz um den Hochaltar und kauft einen Kirchenführer. Da seh ich auch schon überall die ORF-Verkabelungen am Boden und die Scheinwerfer und Monitore oben. Die vielen reservierten Sitzreihen zeigen mir, wo die günstigsten freien Sitzplätze sind. Ich treffe meine Wahl und bleibe für die nächsten ca. 7 Stunden sitzen. Zuerst ist die Messe um 11:30, in der „Bischof Ludwig zu letzten Mal beim Hochgebet genannt wurde“, wie es Dompfarrer Maximilian Strasser sagte. „Es ist ein Tag des Übergangs!“

Nach der Messe begann dann das frierende Warten. Sehr bald schon saß ich nicht mehr alleine in der erste Reihe des zweiten Bänkeblocks rechts. Zuerst kam eine liebe Frau aus der Pfarre Tabor, in Steyr, wo Bischof Manfred Pfarrer gewesen war. Sie hatte damals gerade die Jungscharkinder übernommen. Auch sie war sehr früh gekommen, um einen guten Sitzplatz zu ergattern, war aber wesentlich wärmer angezogen als ich und hatte sich ein Buch zum Lesen mitgenommen. Ich beginne dafür im Kirchenführer zu lesen. Immer öfter werde ich dann abgelenkt, denn bald kommt ein große Gruppe von Ordnern und dirigierte die immer zahlreicher werdenden Menschen. Die Reihen füllen sich. Im ersten Block tröpfeln die Prominenz und die Priester und Ordensleute ein, viele bekannte Gesichter auch aus Tirol. Die zwei ersten Reihen des linken Bänkeblocks neben uns, bleiben frei, und wir wundern uns, für wen die wohl reserviert sind. Bis sie dann kommen: Goldhaubenfrauen… wunderschön anzusehen, mit gelben Blumensträußchen…

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Inzwischen wurde der Altarraum fertig vorbereitet, der Chor stand schon bereit und eine Singprobe für ALLE aus den vorher verteilten Heften stimmt uns darauf ein, dass Bischof Manfred eine Messe zum Mitsingen wollte. Die Ministranten stellen sich für den Einzug auf, gefolgt von den Äbten und Bischofskollegen. Die Fernsehkameraleute üben ihre Kamerarouten immer wieder, die Fotografen bringen sich in Stellung. Schließlich werden die zwei großen Eingangstüren geöffnet – und dann wird es auf einmal so richtig kalt! Endlich ist es also 15 Uhr und es geht los… Irgendwo ganz weit hinter uns beim Eingang wird der neue Bischof von Kardinal Schönborn „vorgestellt“. Wir können es auf den Monitoren verfolgen. Dann der Einzugs zum Lied: „Wer glaubt ist nie allein…. “ Wie wahr, allein sind wir echt nicht! Die liturgische Begrüßung durch Kardinal Schönborn und die Verlesung des Apostolischen Schreibens durch Ordinariatskanzler Mag. Johann Hainzl. Und dann kommt der große Moment: Bischof Manfred setzt sich auf die Kathedra, den Bischofssitz – als sichtbares Zeichen der Übernahme des Bischofsamtes für Linz. Dadurch lässt er sich in den Dienst der Leitung der Diözese Linz nehmen, lese ich im Programmheft. Nach dem Aufstehen überreicht ihm der Dompropst und Pastoralamtsdirektor Wilhelm Vieböck den eigens für ihn angefertigten Bischofsstab und spricht für alle das Treueversprechen. Auch VertreterInnen der diözesanen Einrichtungen versprechen ihm im Namen aller die Treue…

Endlich geht die Messe weiter, wobei die evangelische Pfarrerin Mag. Veronika Obermeir die zweite Lesung vorträgt, wie überhaupt viele Vertreter anderer Kirchen anwesend sind. Die erste Predigt neuer Bischof von Linz ist sehr ehrlich und offen. Der für mich berührendste Satz ist:

„Dankbar bin ich für die Freude, die ich bei vielen in diesen Tagen spüre!“

Denn diese Freude kann man sehen, hören und spüren, in den Gesichtern, am Applaus nach den einzelnen Reden und dann im Anschluss an die Messe bei der Agape auf dem Domplatz. Es ist ein kleines Menschenmeer das „den Neuen“ unter einem Transparent mit der Aufschrift:

„Herzlich Willkommen, Bischof Manfred“

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umringt und das Händeschütteln und Umarmen will fast kein Ende nehmen. Die Mutter, der Bruder, die Schwägerin und viele Menschen aus seinem Heimatdorf Haibach ob der Donau sind natürlich auch gekommen, die Haibacher Musikkapelle spielt auf und das Brot für die Agape stammte aus der elterlichen Bäckerei.

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Viele Menschen treffen sich hier an diesem Abend, und das längst nicht nur von Oberösterreich. Etliche MittirolerInnen entdecke ich, und wir plaudern, fast ganz wie sonst, bei kirchlichen Festen in Tirol. Eines allerdings ist anders: es gibt keinen „Landesüblichen Empfang“ durch eine oder mehrere Schützenkompanien mit Ehrensalve und Schnaps von Marketenderinnen… Und ich kann nicht sagen, dass mir dieses martialische Element fehlt! Insgesamt: ein berührendes Erlebnis am Überganstag der Diözese Linz …
-…. und es schreckte mich nur noch die lange Heimfahrt. So bequem wie bisher habe ich es nun nicht mehr… Aber zum Glück sind Bischof Manfreds Predigten, Reden und Vorträge auch in Linz sicher auf seiner Homepage zum downloaden… Wie hier die Predigt.
https://www.dioezese-linz.at/bischof-scheuer/festpredigt-zur-amtseinfuehrung

Lebensstufen rufen

Was tut man beim Warten auf einen lebenswichtigen Anruf?

Man bringt z.B. seinen Computer in Ordnung! So setze ich mich also neben das Telefon hin, und installiere endlich alles, was ich brauche um meinen neuen Computer an meine alten Gewohnheiten anzupassen. Neue freie Software downloaden, die FTP-Daten eingeben, die Website grob entrümpeln und endlich einmal den Umgang mit WordPress lernen. Dabei überlege ich mir im Hinterkopf ständig, wie es nach einer Serie von Kataströphchen in meinem Leben jetzt weiter gehen soll?Ach, warum läutet nicht endlich dieses dämliche Telefon …

Warum läutet nicht endlich das Telefon …

Na gut, jetzt läuft wenigstens das Computerwerkel wieder wie gewohnt! Und wie ich da so in meinen alten Daten herum suche, wird mir langsam klar, dass mit meinem alten Computer eigentlich auch irgendwie mein altes Leben eingegangen ist. Der unbrauchbare Rest des gewohnten Gerätes, mit dem ich soooo viele tolle Dinge gemacht habe, der steht nun im Abstellraum. Und neben dem Datenberg auf meiner alten Festplatte ist da im neuen Computer die ganz jungfräuliche neue, die geradezu schmachtend darauf wartet, mit Inhalten gefüllt zu werden. Einiges nehme ich natürlich mit – copy and paste! Das Unbrauchbare kann ich löschen und Neues hinzufügen, jajaaa, so einfach geht das am Computer. Und im Leben?

Ach, warum läutet nicht endlich dieses dämliche Telefon …

Ach jaaaaa, im Leben … Warum soll das nicht auch im Leben gehen. Ich such mir also ein schönes Bild und einge Zeilen aus meinem Lieblingsgedicht… Und siehe da: jetzt hab ich schnon gleich eine ganz andere Perspektive.
Klingt doch nicht schlecht! Vor allem wenn jetzt dann auch noch …

… endlich das Telefon klingeln würde!!!

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben…. 

(Hermann Hesse)

Himmelstreppen-Hochstein

Ein kleines Wunder für mich…

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„Hier darf man nicht stehen bleiben, alle ohne Sessel müssen später hier weg!“, sagen mir die Leute, aus meiner Pilgergruppe, die auf den Sesseln neben der Absperrung zum Mittelgang des Petersplatzes saßen. Eben waren wir nach einer Messe unseres Bischofs Manfred Scheuer durch den Sakristei-Eingang wieder aus der größten Kirche der Christenheit heraus gekommen. Wir erfuhren, dass wir bei der Generalaudienz sogar Plätze in einem vorderen Sektor mit Sesseln bekommen. Was hatten wir für ein Glück! Mehr noch: Im Hof neben dem Petersdom konnten wir auch das Wohnhaus des Papstes sehen, vor dem schon das Papstauto wartete, streng bewacht. Wie spannend! Die Brüder von der Diözese Innsbruck mussten schon ziemlich gute Verbindungen zu den vatikanischen haben! Und nicht nur das: Auch zu Petrus selber! Denn der hatte eine lichte Wolkendecke vor die Hochsommersonne geschoben, damit wir es auch ja nicht zu heiß haben, während wir auf die Audienz seines Nachfolgers warteten.
Ich suche mir also einen gemütlichen Stehplatz neben unseren Sesselreihen direkt an der Absperrung zum Mittelgang, um so vielleicht ein Foto von Franziskus schießen zu können. Die Warnung meiner Mitpilger, dass ich da ohne Sitzplatz vertrieben werde, ignoriere ich. Das wird schon gehen!

Schnell wird es kuschlig eng in meinem Bereich, denn viele wollen direkt an der brusthohen Absperrung stehen, um dem Papst so nahe wie möglich zu sein. Ich bin fasziniert von der Menschenmenge, da bin ich nur mehr eine Namenlose unter Tausenden. Ein intensives „Herdenerlebnis“, naja, für mich Individualistin eher grenzwertig! Die Wartezeit bis der Papst auf den Platz gefahren wird, nütze ich aber gerne, um die Menschen um mich herum zu beobachten. Da, ein würdevoller älterer Herr schreitet auf der anderen Seite der Absperrung im breiten Mittelgang auf und ab wie ein Zeremo¬nien¬meister. Die Männer der Schweizergarde stolzieren relativ gelassen herum, während die schmucken jungen Wächter mit nervöser Aufmerksamkeit über die Reihen der Leute an der Abgren¬zung spähen. Fesch! Außerdem flitzen jede Menge Security-Leute in Schwarz hektisch hin und her – mit und ohne Sonnenbrille. Welche Route der Wagen zwischen den Sektoren jeweils nehmen würde, sei geheim, meint jemand neben mir. Macht Sinn, denk ich, und suche eine möglichst bequeme Position am Zaun.

Viel schneller als gedacht geht dann ein Aufschreien durch die Menschenmenge und man sieht auf den zwei Monitoren vorne den Papst einfahren. Schon schwebt der weiße Heilige gleichsam an den Menschen vorbei, auf seinem noch weißeren Auto stehend. Hunderte Hände strecken sich hoch und win¬ken oder fotografieren mit Handys. Wo er vorbeikommt jubeln die Leute. Er beugt sich leicht zu ihnen hinunter, streckt ihnen die Hand entgegen oder winkt – und die Monitore zeigen immer wieder Nahaufnahmen.
Irgendwann wird er ganz sicher bei mir vorbei kommen, denke ich, denn ich bin ja direkt neben dem Mittelgang der zu den Treppen zum Petersdom hinführt. Die Kamera ist bereit, Block und Kuli sind auf dem Sessel vor mir abgelegt, auf dem ein Kind steht, einer der beiden kleinen Ministranten die wir mithaben. Um die Aufregung auszuhalten fotografiere ich zwischendurch auch die schattenspen¬den¬den Wolken und die Gebäudekulisse. Und immer wieder heb ich die Kamera in die Luft um ein Bild vom noch weit entfernten Papst zu knipsen.
Dann geht es wahnsinnig schnell: Die Sicherheitsleute kommen flott auf uns zu, Kamera hoch, Papst suchen, dreimal auslösen – und schon ist er vorbei. Kontrolle: Oje… massives Gegenlicht und Finger abgeschnitten beim größten Bild… Schon steigt der Papst die Treppen hinauf zu seinem überdachten Audienzthron zwischen dem Block der kleineren „Herde der Leitschafe“, unserer Bischöfe, und dem der anderen fürchterlich wichtigen Besucher. Und dann kommen sie tatsächlich, die Wächter, und verlangen von allen Leuten, die keinen Sessel haben, aus dem Sesselsektor hinaus zu gehen. Gnadenlos! Was soll ich tun?  Und was ist das? Sehe ich richtig? Neben mir komplimentieren sie auf dem Mittelgang draußen auch unseren Landeshauptmann weg. Die kennen wirklich keine Gnade! In meiner Not setze ich mich einfach neben die Sessel einer jungen Theologin und eines Pfarrers auf den Boden neben dem Absperrzaun, nehm die Kamera, meinen Block und den Stift auf den Schoß und mache mich so klein wie nur irgend möglich, roll mich praktisch um meine Arbeitsgeräte herum, als müsste ich sie schützen. Vielleicht übersehen sie mich ja einfach, die Wächter, wenn ich mich ganz klein mache und nicht rühre… Nach einer gefühlten und hoffnungsvollen Ewigkeit tippt es plötzlich von hinten auf meine Schulter. Jetzt haben sie mich erwischt! Aus!! Vorbei!!! Das war‘s…

Ich steh ganz langsam auf und dreh mich um, um traurig von meinem guten Platz weg zu trotten – da steht hinter mir – ein Sessel!!! Einer der Wärter hat ihn mir gegeben. Ich setz mich hin und denk mir: „Ein Wunder… mein kleines wunderschönes individuelles Petersplatz-Wunder!“ Mitten unter Tausenden von Menschen kriege ich einen freien Sessel untergeschoben und kann bleiben wo ich bin und die Audienz genau beobachten und bequem das Wichtigste notieren – von Petrus‘ lichten Wölkchen fürsorglich vom prallen Sonnenlicht geschützt. Ich bin vor Freude ganz belämmert… Na jaaaa. Meine Papstfotos, sie wurden nicht besonders gut, extremes Gegenlicht und dann auch noch die päpstlichen Finger „abgeschnitten“ … Da muss ich noch mehr üben. Aber es war halt das erste Mal, dass ich den Papst so nach vor der Linse hatte.. Beim nächsten Mal wird es schon besser werden…
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7. September 2015